Naturschutz durch Jäger

über Biotopflächen für Niederwild

Kategorie: Biotophege

Testangebot Miscanthus

Liebe Alle,

hiermit unterbreite ich Euch ein Testangebot in Sachen Miscanthus:

Miscanthus gigantheus

Miscanthus gigantheus Ende Sommer grün und dicht

 

Statt klassisch kleine Rhizome einzeln ohne Erde im Meterabstand zu stecken und dann die Fläche drei Jahre zu pflegen, bis die Pflanzen groß sind, hier die Jägervariante:

Ihr kommt nach Rheinhessen mit zwei bis vier Mann und Hacken und Spaten. Ich pflüge halbe Wurzelballen hoch, die dann in etwa gedrittelt wieder ausgepflanzt werden können. Ihr müsst helfen, die vollständig rauszuhacken und aufzuladen. Einen Anhänger kann ich ggfs stellen.

Damals haben wir noch einen alten Pflug per Hand führen müssen, jetzt gibt es einen neuen, der direkt am Traktor befestigt wird.

Weinbergtraktor im Miscanthus

Weinbergtraktor zieht alten Pferdepflug, um Miscanthus Rhizome im Wurzelballen aus dem Boden zu schälen

 

 

Miscanthusrhizome am Stück

 

 

Im Revier braucht Ihr eine Fläche von rund 1000 qm, worauf Miscanthus als dauerhafte Deckung im Feld stehen soll. Zwischen 50 cm und 1,30 m Reihenabstand sind sinnvoll. Ich leihe den Ein-Schar-Pflug aus oder komme auch mit. Man pflügt dieselbe Furche nochmal zurück, dann kommt man auf die passende Tiefe, setzt die Wurzelballen ein und harkt die Rinne wieder zu.

Klassischer Bestand nach ca. sechs Jahren, dicht unten nur Miscanthusblätter, top Deckung:

stehender Miscanthus im Feld

stehender Miscanthus im Feld, zehn Wochen alter Drahthaarwelpe als Größenvergleich

 

Hier unten stehen sinensis (links) und gigantheus drei Jahre lang nebeneinander mit 1,30 m Abstand, da wurde mit dem Schmalspurschlepper Unkraut in den Rheihen mechanisch kurz gehalten. Inzwischen ist so viel Miscanthuslaub gefallen, dass da praktisch alles dicht ist, es ist trotz der Lücken sehr gut vom Wild angenommen.

Miscanthus sinensis (links) und gigantheus

Miscanthus sinensis (links) und gigantheus. Vorne ist noch ne Wilde Karde im Bild.

 

Sehr empfehlenswert sind Wildkräutermischungen daneben ober sogar rundum. Hier eine Lebensraum I:

Lebensraum I

Wildkräutermischung Lebensraum I neben Miscanthus

 

Die dickeren Wurzelballen haben sich bewährt, wo die neuen Pflanzen mehr Kraft brauchen. Hier habe ich an einer Zufahrt zu einem Windrad im freien Feld etwa 700 qm Biotopfläche angelegt.

Wildkräutern vor Windenergieanlage

Biotopfläche mit Wildkräutern vor Windenergieanlage

 

Zum Pflanzen mittendrin 50 cm x 50 cm zig zag sehr eng diese großen Ballen gesetzt und nach dem Zurechen nichts mehr getan. Trotz Trockenheit im ersten Jahr haben sich die Miscanthuspflanzen im zweiten Jahr durch die Wildkräuter durchgekämpft! (die sehr hellen Halme)

Miscanthus in Wildkräutern

Miscanthus im zweiten Jahr trotz starker Konkurrenz

D.h. ich konnte hier stabile Deckungspflanzen einbringen, ohne drei Jahre auf eh schon wenige Deckung in dem Revierbereich verzichten zu müssen!

Miscanthus ist angegangen

Miscanthus ist angegangen. Immermal ein Hase oder eine Kette Rebhühner auf der Fläche

 

Ich würde auch Wurzelballen abgeben. Eine Tonne schafft mein Anhänger, damit kann man rund 750 Wurzelballen aufladen. Wer will, kann zuhause auch kleine Stücke herausbrechen und dementsprechend mehr Pflanzen vermehren.

Für eine Tonne Wurzelballen würde ich Euch 150 Euro abnehmen, sollte es gerade geregnet haben, ziehen wir noch etwas fürs Wasser ab. Dafür ladet Ihr selbst auf. Soll ich zum Einpflanzen mitkommen, finden wir auch einen Weg.

Dies ist ein diesjähriges Testangebot, um zu schauen, wie es ankommt. Im Netz gibt es Rhizome um rund 20 Cent. D.h. für 1000 qm braucht Ihr 200 Euro und habt dann noch die Arbeit gegen das Unkraut. Bin auf Eure Meinung gespannt und für alle Schandtaten zu haben 😉

Die Aktion sollte bis Mitte Mai abgeschlossen sein, dann will der Miscanthus treiben und nicht seine neuen Triebe verlieren!

 

Fasanen Futterfässer

Satt mit Rundblick

Fasane im Revier können sich am Besten halten, wenn sie nicht gefressen werden. Dabei kann man ihnen unter anderem helfen, indem sie satt werden können, ohne Gefahr laufen zu müssen, von Habicht oder Fuchs überrascht zu werden. Dazu kann man eine Fütterung bauen. Nicht mehr die Schütten alter Zeiten sondern den Bedürfnissen der Hühnervögel entsprechend ein Futterfass.

Das kommt so weit es geht mitten in die Deckung. Von oben darf kein Habicht angreifen können. Eine dichte Hecke, einige trockene Fichten oder eine Buschgruppe bieten sich hier an. Zur Not legt man im Frühjahr einen Horst mit z.B. Sonnenblumen an, deren dicke Stängel bieten auch ausreichend Deckung.

Gleichzeitig ist aber wichtig, dass der Fasan unten möglichst weit, ringsum freie Sicht hat. Ein Fuchs muss auf mindestens einen Meter heranschleichen können, um im Mäuselsprung Beute zu machen. Wenn der Fasan aber den Feind kommen sieht, kann er ihm ausweichen. Oben dicht und unten Licht muss das Motto sein.

Bewährt haben sich blaue Fässer die leicht umgebaut werden können. Die 120 Liter Inhalt reichen auch in gut besetzten Niederwildrevieren drei bis vier Wochen. Da muss man nicht täglich nachlegen, im Zweifel stellt man einfach ein weiteres Fass in die Nähe und hat so alle Fasane versorgt. Damit vermeidet man auch die Abwanderung im Winter, wenn die Nahrung ausgeht. Je nach Fasanendichte kann man alle 200 Meter eine Futterstelle einrichten, man sollte vermeiden, eine zu starke Konzentration zu bewirken, das lockt nur die Räuber an.

Die gebrauchten Fässer gibt es zwischen fünf und zehn Euro zu kaufen. Wichtig ist dass der Deckel dicht und ohne Loch ist und der Spannring dabei ist. Mit ein paar Schrauben, drei Stangen oder Balken, etwas Dachlatte und ein wenig Plexiglas ist im Nu so ein Fass gebaut und danach steht der ersten Kleinserie nichts mehr im Weg.

Anzeichnen

Zuschneiden

Auf die Finger auspassen!

Zuerst wird das Plexiglas, am besten nimmt man dickes, bruchfestes und UV-beständiges Material, auf rund 20 cm lange und breite Stücke gesägt. Man muss sich dabei an der individuellen Breite des Bodens seiner Fässern orientieren. Die anschließend schräg zugeschnittenen Scheiben werden vorgebohrt auf hochkant stehende Dachlattenstücke geschraubt. So wird der Trichter gebildet, durch den später das Futter rieseln kann. oben quer kommt wieder Dachlatte als Aufhängung dran, entweder vorher von innen geschraubt oder anschließend in die andere Latte rein. Ein kleineres, rechteckiges Stück Scheibe dient als Prallteller, wird aber erst später angeschraubt.

Latten sägen

Vorbohren (Druck vermeiden sonst gibt’s hier Bruch! Am besten gegen ein Stück Holz als Widerlager bohren)


Zusammen schrauben

Anderes Seitenteil

Dann wird am Boden des Fasses so exakt wie möglich der Ausschnitt mit dem fertig zusammen geschraubten Trichter angezeichnet. Idealerweise hängt der Trichter später mit Seitenkontakt an seiner Stelle, so rieselt kein Futter an der Seite aus dem Fass. Jede Ecke wird mit einem mindestens 8er Holzbohrer gelocht, um mit der Stichsäge drehen zu können, wenn die Öffnung herausgeschnitten wird.

Öffnung im Boden anzeichnen

Eckpunkte bohren

Kanten aussägen

Stichsäge ist das Mittel der Wahl

Die drei Stangen werden oben ein wenig angeflacht, damit sie bessere Auflage am Fass haben. Jede Stange wird von innen aus dem Fass mit zwei stabilen Schrauben untereinander und je einer Unterlegscheibe befestigt. Je höher die Stangen angeschraubt sind, desto niedriger der Schwerpunkt, desto besser steht das volle Fass. Die Länge muss so bemessen werden, dass das fertige Fass, mit den Beinen dran und dem Trichter drin, einen Bodenabstand von 40 bis 45 cm zum Prallteller hat. Der Prallteller wird bei dieser Gelegenheit angeschraubt. Die Fasane sollen drankommen, Ratten nicht.

Trichter einsetzen

Beinlänge markieren

An den Beinen die Kontaktstellen abflachen

So lange, bis das Fass spannungsfrei mit großer Auflagefläche in den drei Beinen hängen kann

Beine von innen anschrauben

Jeweils zwei Schrauben mit Muttern die die Auflagefläche verstärken

Jetzt erst den Prallteller anschrauben (damit kann der Trichter nicht mehr rausgenommen werden)

Vom Boden 40 cm bis zum Prallteller

Keine Angst wegen der Höhe, das schwere Fass wird einsinken und es kommt noch eine Steinplatte drunter

Zuletzt nimmt man drei alte Kartoffelsäcke aus Jute oder ähnliches. Die werden mit einer Schnur direkt unterhalb des Spannrings festgebunden, so, dass nach oben hin genug übersteht, um das Fass vollständig zu tarnen. Ein so verblendetes Fass verschwindet mit seiner Umgebung. Jedes angemalte, lackierte oder so blau wie es ist in die Hecke gestellt Fass fällt jedem Spaziergänger auf. Das sollten wir vermeiden.

Alte Kartoffelsäcke zum Tarnen drumbinden

Mit drei Säcken pro Fass kommt man gut rum

An der Engstelle unterm Wulst festzurren, Sack oben überstehen lassen

Nach dem Aufstellen eines jeden Fasses wird das mit ein bisschen Futter gefüllt und zuerst der Prallteller justiert. Er bleibt durch die Verwendung von nur zwei Schrauben die nicht angezogen werden etwas kippelig, muss so eng sein, dass Futter nicht von selbst heraus rieselt, muss aber bei leichter Berührung trotzdem Futter abgeben. Dieses Spiel sollte man probieren, bevor das ganze Fass voll gefüllt worden ist. Unter den Trichter kann man noch einen großen Stein oder eine Platte legen, das kommt der Hygiene entgegen.

Im Gegensatz zu den Spiralen oder Lochbechern, die es zu kaufen gibt, bietet der Plexiglastrichter von weitem sichtbar das Futter an und das Futterfass lässt sich mit jedem beliebigen Futter füllen. Weizen ist das am Besten geeignete Futter, etwas Mais geht auch, bei ausschließlicher Maisfütterung können Fasane zu fett werden, was angeblich die Legeleistung beeinträchtigt. Raps oder Erbsen können auch gegeben werden. Wichtig ist, dass das Futter sauber und von guter Qualität ist.

Weizen einfüllen

Kleinere Schüsseln bieten sich zum Umfüllen an

Unter das Fass kommt eine Steinplatte zur Hygiene, damit runterfallendes Futter nicht im feuchten Boden mit Parasiten und Bakterien verseucht wird

WICHTIG: Dieses Fass steht nur zu Fotozwecken vor der Hecke. Das muss im Revier in die dichteste verfügbare Hecke!! Sonst braucht sich der Habicht nur noch vom Baum fallen lassen!

In vielen Revieren wird z.B. Mais als Wildackerfrucht angebaut, weil der angeblich so tolle Deckung und Futter bietet. Jede ordentlich angelegte Niederwildmischung wird dichter als Mais und blüht, was Insekten anzieht, die dann von den jungen Küken gefressen werden können. Im Laufe des Herbstes und des Winters fängt der Mais am Stängel an zu gammeln. Pilze breiten sich aus und die gefürchteten Fusarien hinterlassen giftige Stoffe auf dem Mais. Praktisch immer trocknet der Landwirt seinen Körnermais nach der Ernte. Wer seinen Mais stehen lässt riskiert seine Fasane mit Fusarien zu füttern, dann ist es allemal besser sauberes Futter im Fass anzubieten.

Zum Schluss den Prallteller kontrollieren, damit das Futter nachrutschen kann aber nicht von alleine zu leicht einfach rausläuft

Dazu dreht man einfach die Schrauben weiter rein oder wieder etwas raus

Die Fässer sollten gefüllt werden, sobald die Mähdrescher im Feld sind, dann wird in kürzester Zeit die Deckung verschwinden und der gedeckte Tisch gleich mit. Um das Ausfallgetreide zum Keimen zu bringen wird schnellstmöglich die Stoppel bearbeitet. Dann ziehen sich die Fasane in die Deckungsbereiche im Revier zurück. Ein voller Kropf hat schon bei manchem Fasan die Wanderlust gedämpft und wer satt ist muss nicht riskante Manöver laufen.

An jede Fütterung sollte eine Raubwildfalle moderner Bauart mit Fangmeldersystem. Bei Befall von Ratten sollten die speziell gefüttert werden, aber so, dass die Vogelvergiftung ausgeschlossen ist. Man bedenke, dass im Magen toter Ratten noch unverdautes Gift liegt!

Neue Quelle für Saatgut

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Lebensraum I geht immer!

Fallenjagd – Argumente und Forschung

Zum Thema dieser Seite, Jagd und Naturschutz, kann man unterschiedliche Meinungen haben. Aber man sollte wenigstens versuchen den Überblick zu haben und zu wissen, wovon man spricht. Von den Leuten, die diese Seiten besuchen, bekomme ich auch mal böse Briefe per Mail. Im Anschluß habe ich deswegen zusammengestellt, was Stand der Wissenschaft zu Prädatoren und gefährdeten Arten im Offenland und bei Wiesenbrütern ist.

> Kiebitz ( kiebitz2 (at) ….de ) hat am 3. September 2013 um 22:54 geschrieben:
>
> http://www.natur-jagd.de/?page_id=244
>
> Da denkt man eine Seite gefunden zu haben, die Jagd
> und Natur in Einklang bringt und was finde ich da??
> Einen völlig durchgeknallten Fallensteller, also ein
> Tierquäler ersten Grades in meinen Augen.
> Fürchterlich und dann noch Arrogant, Eingebildet und
> keine Ahnung von den wirklichen Zusammenhängen..
> Wer ist verantwortlich dafür solchen, in meinen
> Augen, selbstsüchtigen und durchgeknallten Leuten
> den Jagdschein zu geben und sie auf wehrlose Tiere
> loszulassen????
> Ich bin wirklich entsetzt!!
> Birgit, die keine Jagdgegnerin ist, aber der die Kreatur
> lebenswert erscheint, als das man sie süchtigen
> Fallenstellern opfert

Hallo Birgit,
man kann immer unterschiedlicher Meinung sein, aber man sollte doch wenigstens die Zusammenhänge kennen und keine Dinge unterstellen, wenn man offensichtlich nicht weiß, wovon man schreibt, wie in Deinem Fall.

Vielleicht versuche ich es mal so: Jagd ist Teil der Natur, wir haben immer noch unsere spitzen Eckzähne und ein Allesfressergebiss, weil wir in unserer Entwicklung mal damit andere Tiere gefangen haben, um die zu fressen. Kühe und Rehe haben keine spitzen Eckzähne, die fressen nur Grünzeug. In unserer modernen Welt wohnen wir in Häusern, fahren Autos, nutzen Kühlschränke und auch bei der Jagd nutzen wir weiterentwickelte Dinge. Die Umwelt um uns herum haben wir massiv verändert.

Wo früher die wildlebenden Tiere im Winter in die Auen konnten, um dem Winter in den Bergen auszuweichen sind heute überall Städte, Autobahnen, Mauern und Zäune. Alles Kulturlandschaft vom Menschen überformt, mit Natur hat das wenig zu tun. Im Wald arbeitet der Förster, um Bäume zu Geld zu machen, auf den Feldern sind mehrfach im Jahr Traktoren unterwegs, um für Menschen möglichst viel Ertrag pro Fläche herauszuholen. Das hat nichts mit Natur zu tun und auch nichts mit der Jagd, beeinflusst aber massiv die Ökologie in diesen Bereichen.

Für meinen Teil schlägt mein Herz für das sogenannte Offenland. Also da wo Feld an Feld grenzt, der Boden bis an den Beton des Weges heran umgedreht wird, wo Monokultur an Monokultur grenzt und alles, was unerwünscht ist, mit Chemie totgespritzt wird. Es bleibt kein Flecken ungenutzt. Kein Stück bleibt mehr brach, wo Insekten, Vögel oder Säugetiere einen Platz finden würden. Jetzt gibt es in dieser Landschaft aber eigentlich sehr viele unterschiedliche Tierarten, die dort zu Hause sind.

Zum Beispiel der von Dir als Namen gewählt Kiebitz hat seinen Lebensraum in offenen Flächen, nicht im Wald. Er brütet auf niedrig bewachsenen Feldern, möglichst in der Nähe von nassen Stellen, damit die Küken, die nur begrenzt mobil sind, was zu fressen finden. Sie brauchen Insekten und weichen Boden, um welche zu finden.

In der modernen Landbewirtschaftung hat der Mensch aber sehr viele Gräben gezogen, um das Land trocken zu legen, um Felder statt Feuchtbiotope zu haben. An Kiebitze hat keiner gedacht.

Es werden Herbizide eigentlich auf jedes Feld gesprüht. Es gibt im Feld kaum noch die heimische Viefalt an Ackerkräutern, das hat das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Rheinland-Pfalz in einer Studie festgestellt.

Blühende Wildkräuter zu unterschiedlichen Zeitpunkten sind aber die Voraussetzung für viele Insekten. Sei es als Larve oder als adultes Tier. Und Küken brauchen Insekten. Sie ernähren sich davon in den ersten Lebenstagen, egal ob Meise, Kiebitz oder Rebhuhn.
Wo gibt es noch diese blühende Vielfalt? Vor allem auf den extra dafür angelegten Flächen. Zum Beispiel auf meinen Flächen!

Was hast Du bisher getan, um Insekten zu fördern?

Die Vogelschutzwarte Frankfurt ( http://vswffm.de/v/vsw/content/e3884/e4324/e4336/Artenhilfskonzept_Kiebitz_2011.pdf) hat ebenso wie die Universität Göttingen ( http://www.rebhuhnschutzprojekt.de/nahrungsverfuegbarkeit.html ) festgestellt, dass speziell zusammengestellte Wildkräutermischungen eine sehr hohe Menge verfügbarer Insekten-Biomasse für die Küken bieten.

Nach Untersuchungen des Bundesamts für Naturschutz im Jahr 2012 ( http://www.bfn.de/0401_pm.html?tx_ttnews[tt_news]=4274 ) ist der Kiebitz um bis zu 75% zurückgegangen. Das Rebhuhn um 90%. Warum schreien alle Naturschützer immmer nach dem Kiebitz und niemand nach dem Rebhuhn, wo das doch noch viel stärker durch Rückgang bedroht ist?

Oder gar die Großtrappe, die einen ähnlichen Lebensraum bevorzugt und kurz vor dem Aussterben ist. Die Trappen haben seit etwa 20 Jahren im Freiland kein Küken mehr flügge bekommen.

Wie Bellebaum und Langgemach mit Hilfe auch Anderer ( http://www.biem21.de/cms/media.php/lbm1.a.2334.de/vsw_praedation.pdf) schon 2005 festgestellt haben sind Raubsäuger sehr häufig für die Verluste der Gelege und brütenden Vögel verantwortlich. Wer will kann dort weit in die Tiefe gehen und sich die Details selbst durch lesen.

In Deutschland wird seit 1986 flächendeckend gegen Tollwut bei Füchsen geimpft. Da die Tollwut eine nicht heilbare, tödliche Krankheit ist, haben wir Menschen diese in unserer Umwelt ausgeschaltet. Wir wollen nicht an Tollwut sterben. Jetzt sterben aber auch keine Füchse mehr an Tollwut.

Im Jahr 1985 gab es in Westdeutschland nach telefonischen Angaben des Bundesumweltministeriums noch ca. 10.000 Fälle von Wildtiertollwut. In der Streckenstatistik der Jäger erfasst sind 4.955 tollwütige Füchse für dieses Jahr. ( http://www.jagdnetz.de/datenundfakten?meta_id=254) Seit 2008 ist Deutschland tollwutfrei, es sterben aber auch keine Füchse mehr daran.

Die Fuchsstrecke im Jahr 1992 ist die älteste, die ich finden konnte und betrug 442.630 Füchse. Sie stieg auf 692.678 nach drei Jahren. Da man nur davon viel erlegen kann, wovon auch viel da ist, kann man davon ausgehen, dass die Füchse sich prächtig vermehrt haben.

Im Jahr 2013 ist neben Staupe die Räude eine sehr häufige Todesursache bei Füchsen. Dabei werden die Füchse von Milben befallen, die sich von der Lunte her in der gesamten Oberhaut ausbreiten. Das Fuchs magert ab, verliert seine Haare und stirbt nach juckenden Wochen an Entkräftung. ( http://www.fuechse.info/index.php?navTarget=faq/33_raeude.html )

Nach Bundesjagdgesetz ( http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/bjagdg/gesamt.pdf ) gehört zum Jagdrecht auch die Pflicht zur Hege. Da das so wichtig ist, steht das im Paragraphen 1, Absatz 1. Gefolgt von der Definition: Die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines… artenreichen und gesunden Wildbestandes. Später folgt dann im §23 „Der Jagdschutz umfaßt … den Schutz des Wildes insbesondere vor … Wildseuchen…“.

Deshalb haben Jäger auch bei der Handauslage von Tollwut-Impfködern gegen die Tollwut geholfen, mich eingeschlossen. Der Jäger vor Ort weiß in aller Regel, wo die Füchse laufen. Viel besser als der Amtstierarzt aus der Schreibstube.

Jetzt habe ich weit ausgeholt, um verständlich zu machen, dass ich mir das nicht ausgedacht habe, sondern sehr viele Leute sich schon lange damit beschäftigen. Und die publizieren auch einiges dazu. Eine Suche in einer Suchmaschine fördert jede Menge Räuber-Beute Studien zutage. ( http://scholar.google.de/scholar?hl=de&q=predation&btnG=&lr= ).

Nun ist eine singulare Betrachtung nur einer oder zweier Arten in der belebten Umwelt nicht möglich. Die Ökologie beschreibt immer ein Netz von Zusammenhängen, das wir oft noch gar nicht verstehen und es sich vor unseren Augen so schnell ändert, dass wir erst lange hinterher merken, dass sich etwas verändert hat. In der kahlen, intensivierten Agrarsteppe der modernen industriellen Landwirtschaft fehlen Grenzlinine, die früher häufig waren. Es baut niemand mehr seine eigenen Kartoffeln im Feld an, es hat keiner mehr eine Kuh im Stall oder ein Pferd, für die er kleine Kleestreifen Stück für Stück mäht.

Jeder Landwirt versucht durch den Tausch von Flächen seinen Acker möglichst groß am Stück zu haben. Das ermöglicht effektiv zu fahren und Kosten zu sparen. Das ist Ziel und Ergebnis der Agarförderung der EU, die die Großen fördert. Das Verschwinden der Kleinbauern ist hier schon weit fortgeschritten.

Mit den kleinparzellierten Feldschlägen verschwindet aber auch die Vielfalt der Kulturlandschaft. Getreide, Raps und jede Menge Mais beherrschen die Felder. Dazwischen bleibt nichts stehen, die immer besser werdenden Agrarchemiekalien tilgen immer effektiver die unerwünschten Beikräuter, Beizmittel machen junge Pflanzen giftig für Insekten, die sich davon ernähren.

Niemand kann genau sagen, warum die Rebhühner so wenige geworden sind, niemand sagt das Bienensterben liegt an der Agrarchemie. Das ist auch nicht so einfach zu erforschen und die Studien zur Zulassung der Chemikalien können ja gar keine Langzeitstudien beinhalten, dafür wird zu viel immer wieder neu entwickelt. Auf jedem Kanister stehen aber jede Menge Giftzeichen drauf! Vor allem für Gewässer gefährlich.

Eine ganz praktische Tatsache und auch logisch nachzuvollziehen ist aber folgendes: Wo der Lebensraum paßt, Plätze zum Verstecken da sind, die Nachkommen gesetzt und gebrütet werden können und danach genug zu Fressen finden, können sich Arten, die viele Nachkommen produzieren schnell im Besatz erholen. Rebhuhn und Feldhase sind Arten die sehr schnell reagieren könnten.

Allerdings treffen die wenigen Nachkommen auf viele Räuber und so bleibt am Jahresende weniger übrig als vorher und die Dichte der Art nimmt ab. Das ist Alltag in Deutschland 2013.

Was tust Du, damit nicht alle Gelege gefressen werden und nicht alle Nachkommen der Beutetiere gleich eingesammelt werden und in den Bau gebracht werden?

Der Fuchs ist ein Opportunist. Er nimmt das, was einfach zu bekommen ist. Genau wie wir, weiß er wo gute Futterstellen sind. Da im Feld viele Füchse laufen und nur noch wenige Flächen überhaupt tauglich sind, um Gelege oder Junghasen hineinzusetzen, haben die Rebhühner oder Hasen kaum eine Chance. Im Falle des Kiebitz gab es mehrere Projekte, um die Gelege zu schützen.

Ergebnis wie hier:
„Unmittelbar nach der Errichtung des Elektrozauns siedelten sich 11 Paare im gezäunten Bereich an und begannen mit der Eiablage. Durch einen nächtlichen Spannungsabfall 14 Tage später konnten offenbar Prädatoren in den eingezäunten Bereich gelangen, so dass am folgenden Morgen nur noch ein (!) bebrütetes Gelegevorhanden war.“ ( von http://vswffm.de/v/vsw/content/e3884/e4324/e4336/Artenhilfskonzept_Kiebitz_2011.pdf )

Die Dichte der Füchse nur durch die Jagd mit der Waffe zu reduzieren ist nicht möglich, solange man nachts nichts sieht. In Deutschand sind sowohl Scheinwerfer als auch Nachtzielgeräte verboten. Da die vorsichtigen Füchse aber nur des nachts umherlaufen, muß man andere Mittel suchen, um sie zur Beute machen.

Hier bieten sich Fallen an. Wie Du jetzt daraus schließt, ich sei durchgeknallt und ein Tierquäler ersten Grades erschließt sich mir noch nicht. Dass ich arrogant sei, hat mir bisher auch noch niemand vorgeworfen und ich hoffe Du hast durch meine Schilderungen eine gewisse Idee von den Zusammenhängen bekommen.

Spätestens nach dem Studium der Literatur hierzu solltest auch feststellen, dass es eine Diskrepanz in unserer Umwelt gibt, zwischen Räubern und ihrer Beute.
„Nachdem die Tollwut in Deutschland in den letzten zwanzig Jahre erfolgreich bekämpft worden ist, hat die Fuchs-Population stark zugenommen“, “ Nach neueren Studien ist der Fuchs in mehreren Wiesenvogelgebieten Deutschlands und den Niederlanden der Hauptprädator“, „wurde am häufigsten der Fuchs als Prädator genannt“ sind Zitate aus den oben verlinkten Studien.

In Niedersachsen haben ganz offizielle Naturschützer Fallen gestellt und siehe da, es kommen wieder Küken der bedrohten Wiesenbrüter durch ( http://medienjagd.test.newsroom.de/holy_dmmer_ev_prdatorenmanagement.pdf ) Das haben die Kollegen von Nabu und Co. bisher nicht gescchafft, egal wie toll der Lebensraum gestaltet wurde.

Egal ob Kiebitz, Rebhuhn oder Feldhase, wenn es einer der Arten gut geht und ihr Nachwuchs groß wird, dann profitieren auch sehr viele andere Arten davon. Das Rebhuhn kann man als Leitart im Offenland nehmen.

Wo sind hier Leute wie Du, die böse Mails schreiben?

Heutige Fallen, die bei mir im Einsatz sind, fangen die Tiere lebend und körperlich unversehrt. Ein angebrachter Wildmelder ( http://www.wildmelder.de/ ) sagt mir sofort Bescheid, sobald eine Klappe fällt und ich kann schneller reagieren als je zuvor. Die Fallen sind aus Betonrohren mit 30 Zentimeter Durchmesser gebaut. Da kann sich jeder Fuchs drin umdrehen und zusammenrollen.

Es ist innen dunkel und bietet keine Angrifffsfläche, um sich herausnagen zu wollen. Gefangene Tiere werden mit einer ebenfalls dunklen Holzkiste aus der Falle geholt und dann kann man sehen, was man gefangen hat. Füchse werden unverzüglich mit einem sofort tödlichen Schuß ins Hirn getötet, nichtjagdbare Tiere werden laufen gelassen und Katzen kommen ins zuständige Tierheim. Die wollen mich dort gar nicht mehr sehen, davon abgesehen. Niemand will verwilderte Hauskatzen haben, im freien Feld können sie aber auch nicht bleiben.

So wie Du schreibst gehe ich davon aus, Du hast noch keine Falle aus der Nähe gesehen, oder warst dabei, als ein gefangenes Wildtier aus der Falle geholt wurde? Das geht zügig und hat mit Tierquälerei nichts zu tun. Wir können nicht unsere Umwelt total umkrempeln, einen gravierenden Mortalitätsfaktor ausschalten und dann sagen, die Natur regeln alles von alleine.

Wie wir sehen, sterben jeden Tag etliche Arten unwiderbringlich aus, nicht nur im Regenwald. Auch bei uns. Die Bundesregierung hatte das erklärte Ziel, bis zum Jahr 2010 des Artensterben in Deutschland zu stoppen schon wohlweislich auf das Jahr 2020 verschoben. Wenn es so weiter geht, wird auch das nicht machbar sein. ( http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/uno-projekt-merkel-fordert-sofortiges-handeln-zum-artenschutz-a-670787.html )

Jäger sind die Einzigen, die sich rechtlich um wildlebende Tiere die dem Jagdrecht unterliegen, kümmern dürfen. Sowohl um Hase wie auch um Fuchs. Unter ihnen sind ein paar wenige, die sich auch mit Fallen auskennen und welche stellen.

Leute wie ich geben viel von ihrem eigenen Geld aus, um Flächen zu pachten und herzurichten, damit Wildtiere einen Platz zum Leben finden. Wir stellen unter anderem Fallen, um die vielen Füchse und auch Marder oder Waschbären zu dezimieren, damit vom Nachwuchs etwas groß werden kann. Das kostet auch viel Zeit.

Was ist jetzt daran selbstssüchtig? Ein bisschen verrückt schon, aber das muss man wohl sein, wenn man seine Passion mit vollem Engagement betreibt und solange an einer fundierten Antwort auf eine freche Mail tippt.

Dem einzelnen Individuum geschieht nichts bis zum Fangschuß, der Population hilft’s da weniger Dichte weniger Krankheiten bedeutet und den Beutetierpopulation hilft es auf die Beine und raus aus der Prädatorenfalle.

Das ist Teil der Biodiversität die von der Uno seit der Konferenz von Rio 1992 propagiert wird und deren Abkommen von der EU und Deutschland ratifiziert wurden. Jagd zählt zu nachhaltiger Nutzung. Jedenfalls deutlich besser als Masssentierhatung und Flächenversiegelung. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Jetzt hoffe ich Du kannst dem hier folgen und bekommst einen weniger einseitigen Blick auf Jagd und Fallenstellerei.

Gruß Axel

Fangen, Säen, Ernten – Revier-Reportage in der Pirsch

In der Jagdzeitschrift „Pirsch“ Ausgabe 18 und 19 im Jahr 2011 erschien diese zweiteilige Reportage über ein vorbildliches Niederwildrevier im rheinhessischen Osthofen. Revieroberjäger Christoph Hildebrandt bewirtschaftet mit sieben weiteren Jägern in seiner Freizeit ein gemeinschaftliches Revier mit zum Teil 160 Hasen pro 100 Hektar. Hier sind noch größere Jagden möglich. Der Besuch im Revier zeigt, wie Jungfuchsfallen, Biotophege und ewig lange Fallenpässe ineinander geifen.

Revierreportage Osthofen

Revierreportage Osthofen


Die Scans liegen hier

Biotopflächen planen und anlegen – Einstieg zur erfolgreichen Niederwildhege

Über die theoretischen Überlegungen vorher und das praktische Umsetzen von Lebensraum-Flächen für Rebhuhn, Fasan und Hase

Zum Thema Niederwildhege, Rückgang der Bodenbrüter und Prädatorendruck ist schon viel geschrieben worden. Unstrittig ist, dass ein geeigneter Lebensraum unabhängig von Wetter und Fressfeinden beim Überleben und Aufziehen des Nachwuchses hilfreich bis notwendig ist. In fast allen Bereichen im Offenland herrscht die Landwirtschaft unter dem Diktat des Marktes. Immer größere Traktoren müssen immer mehr Fläche immer schneller beackern, damit am Ende überhaupt noch etwas an Wirtschaftlichkeit übrig bleibt. Daran kann der einzelne Jäger oder Naturschützer nichts ändern. Am Wetter, an den Spaziergängern und er Tollwut-Immunisierung auch nicht.

Unabhängig von der Diskussion um die Bejagung der Füchse, Krähen oder Greifvögel kann jeder vor Ort etwas tun, um die Landschaft ein bischen bunter und vielfältiger zu gestalten. Mit der Anlage von Biotopflächen kann jeder Jäger in seinem Revier einen Beitrag leisten, um ein wenig gegen zu steuern, gegen immer mehr Leistung aus jedem Quadratmeter Boden.

In der modernen Landwirtschaft bleibt kein Acker länger als ein paar Wochen ohne Bearbeitung. Sofort nach der Ernte wird der Boden gegrubbert, damit die ausgefallenen Körner keimen und die Folgekultur dann nicht damit durchzogen ist. Kaum ist ein grüner Flaum auf dem Acker zu sehen wird dann der Boden erneut bearbeitet und oft gleich wieder mit der folgenden Frucht wie Winterweizen oder Raps, der auch über den Winter steht eingesät.

Im zeitigen Frühjahr kommt gleich Dünger auf die Fläche, es wird gegen konkurrierende Wildkräuter gespritzt, gegen Insekten, die Fraßschäden verursachen können oder gegen Pilzkrankheiten, die die Frucht schädigen können. Im Sommer ist es staubtrocken im Feld und wenn die Mähdrescher rollen ist binnen Wochenfrist alles kahl.

Auf einer Biotopfläche fürs Niederwild sollte es da möglichst antizyklisch zugehen. Vielfältiger Pflanzenbewuchs, blühende Kräuter, reichhaltiges Insektenleben und lange Zeit keine Bearbeitung. Von einem schmalen, langen und grünen Streifen in der Agrarsteppe bis zur mehrere Hektar großen Biotopfläche am Stück gilt es das möglichst passende herauszufiltern. Äsung und Deckung möglichst auch im Februar und März muß eines der Ziele sein.

Zwischen den Getreidefeldern bieten sich Streifen mit Klee an. Entweder Rotklee in Reinsaat oder ein Gemenge mit hauptsächlich Klee und einigen anderen Arten. 2,50 Meter breit ist eine gängige Arbeitsbreite hinter dem Traktor. Um Arbeit zu sparen legt man Streifen nur in Vielfachen dieser Breite an. Zum Beispiel an Wegerändern, wo meist nur Quecken wachsen oder an Rändern von Äckern, so der Landwirt dem Jäger und dem Wild dort ein Stück abtritt.

Die Streifen ziehen sich idealerweise wie Lebensadern durchs Feldrevier. Wenn dann im Juni die Trockenheit anbricht werden diese Kleestreifen gemäht und treiben neu aus. Am Besten liegt der Mähzeitpunkt dann, wenn am Getreidehalm die Verholzung einsetzt, dann ist der frische und eiweißreiche Klee wieder da, wenn sonst nichts mehr grün ist.

Wo breitere Streifen möglich sind werden diese 12,5 bis 20 Meter breit gemacht. Am Anfang und am Ende zum Feldweg hin bleibt aber die Hauptfrucht stehen, damit die Spaziergänger und ihre Hunde nicht so einfach auf diese Flächen kommen können. Was auf den Acker kommt bestimmt auch der Landwirt mit. Raps leidet neben anderem unter der Kohlhernie, einem Pilz. Deshalb kann ein Landwirt, der auch Raps in seiner Fruchtfolge hat keine Kreuzblütler wie Raps, Kohl oder Senf auf seinen Flächen gebrauchen. Er würde die Pflanzenkrankheiten fördern. Und dementsprechend Mischungen ablehnen, die solche Pflanzen enthalten.

Auch sollen keine Ackerkratzdisteln aussamen, da deren Samen sehr weit fliegen und die Pflanzen schlecht wieder aus dem Acker heraus zu bekommen sind. Auch Melde ist ein Unkraut, dass die Landwirte im Gegensatz zu den Feldhasen gar nicht gerne sehen, weil es nicht mit jedem Herbizid zu behandeln geht. Es heißt Kühe können davon Dünnpfiff bekommen. Daher auch der Name Schißmelde.

Wenn herkömmliche Kulturarten auch auf Wildäckern angebaut werden, muß wie auf den anderen Feldern auch immer wieder der Boden bearbeitet werden. Das bringt Unruhe in die Flächen, kostet Geld und Zeit. Eine lohnende Investition sind da die mehrjährigen Mischungen mit Wildkräutern. Einjährige Kulturarten wachsen schnell und verdrängen die aufkommenden und in der Landwirtschaft unerwünschten Beikräuter. Die dicken Stängel bieten halt auch für die später abfrierenden Halme der kleineren Pflanzen. Dort bilden sich dann kleine Horste die dem Niederwild als Unterschlupf dienen können.

Die zweijährigen Arten wachsen im ersten Jahr nur klein und unscheinbar, haben aber genug Kraft gesammelt, um dann im zweiten Jahr als hoch wachsende und Struktur gebende Stängel zu fungieren.

Die Saatstärke ist im Vergleich zum Getreidebau sehr gering. Nicht der große Ertrag steht im Vordergrund, sondern Lebensraum zu schaffen. Bei den Wildkräutern sind große und kleine, früh und spät blühende Pflanzen dabei. In der passenden Mischung bieten diese unterschiedlichen Arten lange ein vielfältiges Nahrungsangebot. Es freut das menschliche Auge und die Nase, diese Abwechslung im Ansonsten eher gleichartigen Feld zu erleben.

Auch ganze Äcker lassen sich in Biotopflächen umwandeln. In vielen Bundesländern gibt es Agrarumweltprogramme die Ausgleichszahlungen für verloren gegangene Gewinne übernehmen. Neben Wildkräutermischungen auf großer Fläche kann ein Acker eventuell auch unterteilt werden und es können halbe Hektar große Parzellen aus unterschiedlichen Mischungen entstehen.

Lebensraum I ist eine Mischung, die sich in fast allen Niederwildprojekten bewährt hat. Erstmal relativ teuer, amortisiert sich das bald, da normalerweise ab der Saat keine weitere Pflege erforderlich ist. Eventuell wird alle zwei Jahre ein Mal gemulcht. Gut fünf Jahre hält die Mischung, dann setzen sich die konkurrenzstärkeren Arten durch und die Vielfalt nimmt ab.

Zusätzlich kann man immer noch Inseln mit Sonnenblumen und Mais anlegen. Futtermalve und Rispenhirse ausbringen. Durch die hohe Kulisse und den interessanten Unterbau wird eine Fläche optisch geteilt. Man wird aber im folgenden Frühjahr dieses Stück erneut bearbeiten müssen.

Im Idealfall ergibt sich aus vielen kleinen und großen Biotopflächen ein Netz über das gesamte Revier. Am sichersten lebt der Fasan, wenn er auf der Flucht schneller in der Deckung ist, als der Habicht beim Fasan.

Der Mit-Entwickler Werner Kuhn zeigt die Lebensraum I Flächen

Werner Kuhn ist Mitarbeiter der Bayerischen  Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. Er hat die Mischung Lebensraum I mit entwickelt. Kuhn ist daneben Landwirt und Jäger und hat in seinem Revier auch auf seinen eigenen Flächen unter anderem Lebensraum I ausgebracht.

Biogas aus Wildkräutern

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau forscht an Biogas aus Wildkräutern statt aus Mais.

WildkraeuterBiogasKuhn

Werner Kuhn lehnt auf einem Schild vor einer Probefläche in Güntersleben

Revier Bechtolsheim

Auf rund 1.000 Hektar erstreckt sich das Revier Bechtolsheim in Rheinhessen im Kreis Alzey-Worms. Von der feuchten Aue der Selz über große, freie Felder bis zum Petersberg mit seinen Rebenhängen und aufgelassenen Dickichtstücken bietet das Revier vielfältigen Lebensraum für Niederwild.

Seit den 1990er Jahren betreibt die dortige Jägergesellschaft, die aus ortsansässigen, bodenständigen Jägern besteht, aktive Biotophege. Jede kleine Fläche wurde mit Lebensraum verbessernden Maßnahmen bearbeitet. Viele blühende Kräuter lockern das Landschaftsbild auf und bieten Nahrung und Versteckmöglichkeiten für die rheinhessische Fauna. Intensive Fuchsbejagung, möglich durch ein Dutzend Kunstbaue im Revier, reduziert die Fressfeinde.

In den Weinbergen wo nur jede zweite Rebenzeile begrünt ist und Unkraut zum Teil weggespritzt wird, sind sie schmalen Streifen mit blühenden Kräutern für jedes Wild wichtiger Rückzugsraum und Nahrungsinsel in Einem. Wo im Sommer die Bienen Nektar und Pollen finden, tanken die Zugvögel nochmal Energie vor der langen Reise in den Süden. Der harte Stängel der Sonnenblume bleibt stehen und selbst bei Schnee und Sturm bleiben daran Nischen aus altem Gras und umgefallenen Kräutern zum drunter schlüpfen.

Die Biotopstreifen unterbrechen auch die Monotonie in der modernen Landschaft.

Im Offenland, zwischen Weizen und Raps, herscht im Hochsommer Trockenheit. Nachdem der Mähdrescher da war, bleibt nur die Kahlheit. Flächen die nur fürs Niederwild angelegt wurden und nicht der landwirtschaftlichen Nutzung unterworfen sind, haben ganz andere Bewirtschaftungsrhythmen. Wenn im Frühjahr die bodenbrütenden Fasane und Rebhühner ein geeignetes Brutrevier suchen, werden die einen im dichten Inneren fündig, die anderen an Rand.

Insbesondere die territorialen Rebhühner brauchen die Grenzlinien als Abgrenzung ihrer Reviere zum Nachbarn. In extra gemähten Streifen kann die ganze Rebhuhn-Familie gut laufen, nach einem Gewitter-Regen ist es dort schneller trocken und die Kücken werden nicht so schnell Opfer von Unterkühlung. Sollte ein Freßfeind auftauchen, kann sich jedes Huhn auch schnell in Deckung retten.

Revier Hattersheim mit Biotopflächen

Zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet leben zwischen Autobahnen, Schnellbahntrassen und vielen Wohngebieten immer noch eine gewissen Anzahl wilder Tiere. So viele wie der Lebensraum insgesamt ernähren und beschützen kann.

Durch die Anlage möglichst vernetzt liegender kleinerer Flächen soll den Bewohnern der Felder eine bessere Lebensraumnutzung möglich werden. Im ganzheitlichen Ansatz werden nicht einfach nur  die Füchse verdammt und die Fasanen gefüttert, sondern verteilt über die Fläche, möglichst viele Ecken geschaffen, die den Bedürfnissen der Pflanzen und Tiere des Offenlandes entgegen kommen.
So brauchen die Küken der Vögel dringend Insektennahrung am Anfang ihres Lebens. Insekten siedeln sich vor allem dort an, wo sie die blühende Kräuter finden und wo sie gut über den Winter kommen. Nach dem Wegfall der EU-Stilllegungsverpflichtung gibt es kaum noch brach liegende Felder.  Also muß da möglichst Ersatz geschaffen werden.

Die schwierigste Zeit für alle Tiere draußen ist der Winter. Vor allem wenn ein langer Winter, eventuell mit viel Schnee und langen Frostphasen, nichts mehr zu beißen bietet und nirgendwo mehr Deckung zu finden ist.
Also haben die Jäger, zusammen mit Landwirten um Hattersheim herum, angefangen verschiedene, sich anbietende Flächen zu Nutzen, um darauf passende Habitate zu schaffen. An manchen Stellen gibt es frisches Grün, das im heißen und trockenen Sommer die notwendige Feuchtigkeit bietet, wenn alle Felder staubtrocken sind und nur noch trockenes Getreide darauf steht.

Anderswo blühen vom Frühjahr bis in den Herbst immer einige Kräuter. Dort entwickeln sich dann auch Samen die als Futter dienen können. Die dicken Stängel bleiben im Winter stehen und das abgestorbene Gras kann sich daran anlehnen und bietet darunter einen Wind und Nässeschutz. Und auch einen Sichtschutz gegen Freßfeinde.
Zeitgleich werden Füchse, Marder, Krähen und Elstern bejagt.  Im Sommer mit Futterrüben die Durststrecke der Feldhasen überwinden geholfen und im Winter mit kleinen Futterstellen den verschiedenen Vögeln das Leben leichter gemacht.

Hier kommen in loser Folge diverse Berichte über die Fortschritte und die erwarteten Erfolge der Maßnahmen.

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