Naturschutz durch Jäger

über Biotopflächen für Niederwild

Tag: Niederwild

Biotopflächen planen und anlegen – Einstieg zur erfolgreichen Niederwildhege

Über die theoretischen Überlegungen vorher und das praktische Umsetzen von Lebensraum-Flächen für Rebhuhn, Fasan und Hase

Zum Thema Niederwildhege, Rückgang der Bodenbrüter und Prädatorendruck ist schon viel geschrieben worden. Unstrittig ist, dass ein geeigneter Lebensraum unabhängig von Wetter und Fressfeinden beim Überleben und Aufziehen des Nachwuchses hilfreich bis notwendig ist. In fast allen Bereichen im Offenland herrscht die Landwirtschaft unter dem Diktat des Marktes. Immer größere Traktoren müssen immer mehr Fläche immer schneller beackern, damit am Ende überhaupt noch etwas an Wirtschaftlichkeit übrig bleibt. Daran kann der einzelne Jäger oder Naturschützer nichts ändern. Am Wetter, an den Spaziergängern und er Tollwut-Immunisierung auch nicht.

Unabhängig von der Diskussion um die Bejagung der Füchse, Krähen oder Greifvögel kann jeder vor Ort etwas tun, um die Landschaft ein bischen bunter und vielfältiger zu gestalten. Mit der Anlage von Biotopflächen kann jeder Jäger in seinem Revier einen Beitrag leisten, um ein wenig gegen zu steuern, gegen immer mehr Leistung aus jedem Quadratmeter Boden.

In der modernen Landwirtschaft bleibt kein Acker länger als ein paar Wochen ohne Bearbeitung. Sofort nach der Ernte wird der Boden gegrubbert, damit die ausgefallenen Körner keimen und die Folgekultur dann nicht damit durchzogen ist. Kaum ist ein grüner Flaum auf dem Acker zu sehen wird dann der Boden erneut bearbeitet und oft gleich wieder mit der folgenden Frucht wie Winterweizen oder Raps, der auch über den Winter steht eingesät.

Im zeitigen Frühjahr kommt gleich Dünger auf die Fläche, es wird gegen konkurrierende Wildkräuter gespritzt, gegen Insekten, die Fraßschäden verursachen können oder gegen Pilzkrankheiten, die die Frucht schädigen können. Im Sommer ist es staubtrocken im Feld und wenn die Mähdrescher rollen ist binnen Wochenfrist alles kahl.

Auf einer Biotopfläche fürs Niederwild sollte es da möglichst antizyklisch zugehen. Vielfältiger Pflanzenbewuchs, blühende Kräuter, reichhaltiges Insektenleben und lange Zeit keine Bearbeitung. Von einem schmalen, langen und grünen Streifen in der Agrarsteppe bis zur mehrere Hektar großen Biotopfläche am Stück gilt es das möglichst passende herauszufiltern. Äsung und Deckung möglichst auch im Februar und März muß eines der Ziele sein.

Zwischen den Getreidefeldern bieten sich Streifen mit Klee an. Entweder Rotklee in Reinsaat oder ein Gemenge mit hauptsächlich Klee und einigen anderen Arten. 2,50 Meter breit ist eine gängige Arbeitsbreite hinter dem Traktor. Um Arbeit zu sparen legt man Streifen nur in Vielfachen dieser Breite an. Zum Beispiel an Wegerändern, wo meist nur Quecken wachsen oder an Rändern von Äckern, so der Landwirt dem Jäger und dem Wild dort ein Stück abtritt.

Die Streifen ziehen sich idealerweise wie Lebensadern durchs Feldrevier. Wenn dann im Juni die Trockenheit anbricht werden diese Kleestreifen gemäht und treiben neu aus. Am Besten liegt der Mähzeitpunkt dann, wenn am Getreidehalm die Verholzung einsetzt, dann ist der frische und eiweißreiche Klee wieder da, wenn sonst nichts mehr grün ist.

Wo breitere Streifen möglich sind werden diese 12,5 bis 20 Meter breit gemacht. Am Anfang und am Ende zum Feldweg hin bleibt aber die Hauptfrucht stehen, damit die Spaziergänger und ihre Hunde nicht so einfach auf diese Flächen kommen können. Was auf den Acker kommt bestimmt auch der Landwirt mit. Raps leidet neben anderem unter der Kohlhernie, einem Pilz. Deshalb kann ein Landwirt, der auch Raps in seiner Fruchtfolge hat keine Kreuzblütler wie Raps, Kohl oder Senf auf seinen Flächen gebrauchen. Er würde die Pflanzenkrankheiten fördern. Und dementsprechend Mischungen ablehnen, die solche Pflanzen enthalten.

Auch sollen keine Ackerkratzdisteln aussamen, da deren Samen sehr weit fliegen und die Pflanzen schlecht wieder aus dem Acker heraus zu bekommen sind. Auch Melde ist ein Unkraut, dass die Landwirte im Gegensatz zu den Feldhasen gar nicht gerne sehen, weil es nicht mit jedem Herbizid zu behandeln geht. Es heißt Kühe können davon Dünnpfiff bekommen. Daher auch der Name Schißmelde.

Wenn herkömmliche Kulturarten auch auf Wildäckern angebaut werden, muß wie auf den anderen Feldern auch immer wieder der Boden bearbeitet werden. Das bringt Unruhe in die Flächen, kostet Geld und Zeit. Eine lohnende Investition sind da die mehrjährigen Mischungen mit Wildkräutern. Einjährige Kulturarten wachsen schnell und verdrängen die aufkommenden und in der Landwirtschaft unerwünschten Beikräuter. Die dicken Stängel bieten halt auch für die später abfrierenden Halme der kleineren Pflanzen. Dort bilden sich dann kleine Horste die dem Niederwild als Unterschlupf dienen können.

Die zweijährigen Arten wachsen im ersten Jahr nur klein und unscheinbar, haben aber genug Kraft gesammelt, um dann im zweiten Jahr als hoch wachsende und Struktur gebende Stängel zu fungieren.

Die Saatstärke ist im Vergleich zum Getreidebau sehr gering. Nicht der große Ertrag steht im Vordergrund, sondern Lebensraum zu schaffen. Bei den Wildkräutern sind große und kleine, früh und spät blühende Pflanzen dabei. In der passenden Mischung bieten diese unterschiedlichen Arten lange ein vielfältiges Nahrungsangebot. Es freut das menschliche Auge und die Nase, diese Abwechslung im Ansonsten eher gleichartigen Feld zu erleben.

Auch ganze Äcker lassen sich in Biotopflächen umwandeln. In vielen Bundesländern gibt es Agrarumweltprogramme die Ausgleichszahlungen für verloren gegangene Gewinne übernehmen. Neben Wildkräutermischungen auf großer Fläche kann ein Acker eventuell auch unterteilt werden und es können halbe Hektar große Parzellen aus unterschiedlichen Mischungen entstehen.

Lebensraum I ist eine Mischung, die sich in fast allen Niederwildprojekten bewährt hat. Erstmal relativ teuer, amortisiert sich das bald, da normalerweise ab der Saat keine weitere Pflege erforderlich ist. Eventuell wird alle zwei Jahre ein Mal gemulcht. Gut fünf Jahre hält die Mischung, dann setzen sich die konkurrenzstärkeren Arten durch und die Vielfalt nimmt ab.

Zusätzlich kann man immer noch Inseln mit Sonnenblumen und Mais anlegen. Futtermalve und Rispenhirse ausbringen. Durch die hohe Kulisse und den interessanten Unterbau wird eine Fläche optisch geteilt. Man wird aber im folgenden Frühjahr dieses Stück erneut bearbeiten müssen.

Im Idealfall ergibt sich aus vielen kleinen und großen Biotopflächen ein Netz über das gesamte Revier. Am sichersten lebt der Fasan, wenn er auf der Flucht schneller in der Deckung ist, als der Habicht beim Fasan.

Revier-Kalender April – Welche Maßnahmen eignen sich wann im Jahresverlauf im Niederwildrevier

Wenn am 1. April das Jagdjahr beginnt ist jagdlich gesehen erstmal Ruhe im Revier. Die Brut- und Setzzeit lässt nur wenig zum Jagen gehen offen. Dafür wartet auf den aktiven Jäger jede Menge Arbeit.

Der Frühling ist da, nun sollte jede Leiter, jede Kanzel und jede sonstige Ansitzmöglichkeit auf Schäden untersucht werden. Wo möglich gleich reparieren, sonst ärgert man sich später im Jahr vielleicht darüber. Bei den gezielten Revierfahrten oder –gängen wird man die eine oder andere Ecke finden, die sich im Laufe des Jahres verändert hat. Ein Holzlagerplatz ist leer geräumt worden. Eine Wiese nicht gepflegt worden. Dort vielleicht eine kleiner, dreieckiger Acker brach liegen gelassen.

Jeder Fund ist ein Grund mit den Landwirten im Revier ins Gespräch zu kommen. Warum kam es dazu, wie sind die Planungen für die Flächen, wie laufen die Geschäfte? Vielleicht ist es möglich die eine oder andere Ecke fürs Wild anzulegen. Ende April bis Mitte Mai sind die Nachtfröste meist kein Thema mehr. Jetzt kann man die meisten Saatgut-Mischungen aussäen. Wo im Revier die Wärme liebenden Pflanzen wie Zuckerrüben oder Mais gesät werden, ist das ein guter Indikator. Die Landwirte säen gerne so früh als möglich. Wenn diese vor Ort gesät haben, kann der Jäger das auch tun. Eventuell übernimmt der eine oder andere Landwirt sogar das Säen mit der Maschine, wenn es sich um größere Flächen handelt.

Zur Verbesserung des Lebensraums gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine althergebrachte ist der klassische Wildacker. Dort werden auf angepachteten Flächen verschiedene Pflanzen angebaut. Je nach Ziel-Wildart gelten dabei zum Teil ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wo Rehwild im Vordergrund steht, eignen sich Kräutermischungen mit Rotklee, um beispielsweise in der Nähe des Waldrands eine attraktive Fläche zu schaffen. Dort können dann Kitze zur Welt kommen, Böcke in Anblick kommen und der Jäger selbst entscheidet, wann dort gemäht wird. Bei der Einsaat bis Mitte Mai bietet die Fläche schon ab Juni interessante Äsungsmöglichkeiten und sobald die Kräuter und Kleearten wachsen, gute Deckungsmöglichkeiten.

Wer bei seinem örtlichen Landwirt nach einer Fläche für einen Wildacker nachfragt stößt allerdings häufig auf Ablehnung. Alleine schon der Name Wild-Acker klingt in den Ohren vieler Landwirt nach verwilderter Acker – das gab es schon zu häufig. Schöner klingt da das Wort Biotopfläche. Angelegt mit Kulturarten und Wildkräutern.

Statt einseitig eine Fläche nur für Rehe anzulegen, bietet sich die Möglichkeit durch die Zusammensetzung der Mischungen auch gezielt Hasen oder anderes Niederwild zu fördern. Nur Sauen und Kitze oder Bodenbrüter in derselben Fläche vertragen sich schlecht. Von den angelegten Flächen profitieren von der Blattlaus über den Marienkäfer zu Schmetterlingen und Spinnen zahlreiche Insektenarten. Der Vorteil liegt unter anderem darin, dass diese nicht mehrfach im Jahr beackert werden. Durch den Aspekt Naturschutz auf diesen Flächen kann der Jäger auch seinen Anspruch als einzig geprüfter Naturschützer unterstreichen.

Für das Federwild bieten sich Mischungen mit einem hohen Blütenanteil an. Lebensraum I hat sich in vielen Niederwildrevieren bewährt. Schon kurz nach dem Auflaufen werden die ersten Junghasen dort hinein gesetzt und können sich verstecken. In kürzester Zeit beginnen die ersten Pflanzen zu blühen und es folgt eine Art der anderen bis Ende Oktober. Auch die Samenreife erfolgt kontinuierlich, so dass immer was abfällt, für alle Arten in der Nahrungskette. Bis zum Herbst haben sowohl die Zugvogel wie auch die Überwinterer immer einen reichlich gedeckten Tisch. Zusätzlich bieten die sich bildenden harten Stängel einen guten Schutz gegen anfliegende Räuber. Die Fasane können hierin gut abtauchen.

Im folgenden Frühjahr lösen sich die Ketten der noch vorhandenen Rebhühner sofort nach der Schneeschmelze auf, verpaaren sich und suchen nach geeigneten Revieren. Auf den Feldern ist es um diese Zeit noch völlig kahl. Jetzt zeigt sich wie wertvoll jede noch so kleine Fläche sein kann. Und je mehr kleine und große Flächen im Revier zusammen kommen, desto mehr Chancen hat der Nachwuchs.

Will man einen Acker pachten, muß man bedenken, dass die Landwirte einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen durch die Zuschüsse der EU-Agrarpolitik bekommen. Dafür müssen alle Landbewirtschafter jedes Jahr den so genannten „Gemeinsamen Antrag“ abgeben. Beim Landwirtschaftamt aus Kreisebene werden für forstlich und landwirtschaftlich genutzte Grundstücke gemeinsam Anträge gestellt. Pro Hektar bewirtschafteter Fläche gibt es je nach Art zum Teil mehrere Hundert Euro dazu. Der Landwirt hat im Gegenzug aber auch jede Menge Auflagen zu erfüllen.

Die so genannten „Cross Compliance“-Richtlinien stellen in allen Bereichen Regeln auf. Von der Art der Kennzeichnung der Nutztiere, der Art der Aufbewahrung der Spritzmittel bis zur Beschaffenheit des Gülleschlauches. Jeder Landnutzer, der Prämien bekommen will, muß sich für ein Jahr festlegen, was auf der jeweiligen Fläche wachsen soll. Diese Anträge werden meist schon im März abgegeben, 15. Mai ist der Stichtag zur Abgabe. Aber eventuell kann man eine Fläche ja schon für die Zukunft als Biotop sichern.

April ist auch die Zeit sich um die Jungfuchsfallen zu kümmern. Funktionieren sie alle? Sind genug davon vorhanden? Wo sind die Heckbaue? Wer sich schon eine Übersicht in seinem Revier verschaffen konnte ist hier im Vorteil. Eine Karte, in der die Flächen eingezeichnet sind, hilft hier. Eventuell kann das Landwirtschaftsamt helfen, die haben Karten mit allen Äckern und Wiesen darauf. Auf den Luftbildern sieht man jeden Baum und jede Hecke.

Damit geht es dann los die Baue mit den Jungfüchsen suchen. Und wer fündig geworden ist, muß sofort damit beginnen, die Jungfuchsfallen einzubauen. Und die übrig gebliebenen kleineren Einfahrten zu verschließen. Zum Beispiel leisten hier Brennholzscheite gute Dienste. Die abgedunkelten Fallen müssen immer wieder kontrolliert werden, spätestens am folgenden Morgen. Je nach Fraßangebot kann es aber auch mal eine ganze Woche dauern, bis alle Welpen selbständig in die Falle laufen. Wer erst Baue sucht und dann wegfährt, um die Fallen zu holen, riskiert, dass die Fähe schon den ersten Welpen aus dem entdeckten Bau in Sicherheit gebracht hat. Für den einen Nachkommen wird weiterhin so viel Futter rangeschafft, wie zu erbeuten ist. Dem jungen Beutewild hilft hier nur die Reduktion seiner Fressfeinde. Also muß der aktive Niederwildjäger möglichst versuchen das gesamte Geheck zu fangen und möglichst jeden Heckbau zu finden.

Biogas aus Wildkräutern

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau forscht an Biogas aus Wildkräutern statt aus Mais.

WildkraeuterBiogasKuhn

Werner Kuhn lehnt auf einem Schild vor einer Probefläche in Güntersleben

Revier Bechtolsheim

Auf rund 1.000 Hektar erstreckt sich das Revier Bechtolsheim in Rheinhessen im Kreis Alzey-Worms. Von der feuchten Aue der Selz über große, freie Felder bis zum Petersberg mit seinen Rebenhängen und aufgelassenen Dickichtstücken bietet das Revier vielfältigen Lebensraum für Niederwild.

Seit den 1990er Jahren betreibt die dortige Jägergesellschaft, die aus ortsansässigen, bodenständigen Jägern besteht, aktive Biotophege. Jede kleine Fläche wurde mit Lebensraum verbessernden Maßnahmen bearbeitet. Viele blühende Kräuter lockern das Landschaftsbild auf und bieten Nahrung und Versteckmöglichkeiten für die rheinhessische Fauna. Intensive Fuchsbejagung, möglich durch ein Dutzend Kunstbaue im Revier, reduziert die Fressfeinde.

In den Weinbergen wo nur jede zweite Rebenzeile begrünt ist und Unkraut zum Teil weggespritzt wird, sind sie schmalen Streifen mit blühenden Kräutern für jedes Wild wichtiger Rückzugsraum und Nahrungsinsel in Einem. Wo im Sommer die Bienen Nektar und Pollen finden, tanken die Zugvögel nochmal Energie vor der langen Reise in den Süden. Der harte Stängel der Sonnenblume bleibt stehen und selbst bei Schnee und Sturm bleiben daran Nischen aus altem Gras und umgefallenen Kräutern zum drunter schlüpfen.

Die Biotopstreifen unterbrechen auch die Monotonie in der modernen Landschaft.

Im Offenland, zwischen Weizen und Raps, herscht im Hochsommer Trockenheit. Nachdem der Mähdrescher da war, bleibt nur die Kahlheit. Flächen die nur fürs Niederwild angelegt wurden und nicht der landwirtschaftlichen Nutzung unterworfen sind, haben ganz andere Bewirtschaftungsrhythmen. Wenn im Frühjahr die bodenbrütenden Fasane und Rebhühner ein geeignetes Brutrevier suchen, werden die einen im dichten Inneren fündig, die anderen an Rand.

Insbesondere die territorialen Rebhühner brauchen die Grenzlinien als Abgrenzung ihrer Reviere zum Nachbarn. In extra gemähten Streifen kann die ganze Rebhuhn-Familie gut laufen, nach einem Gewitter-Regen ist es dort schneller trocken und die Kücken werden nicht so schnell Opfer von Unterkühlung. Sollte ein Freßfeind auftauchen, kann sich jedes Huhn auch schnell in Deckung retten.

Revier Hattersheim mit Biotopflächen

Zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet leben zwischen Autobahnen, Schnellbahntrassen und vielen Wohngebieten immer noch eine gewissen Anzahl wilder Tiere. So viele wie der Lebensraum insgesamt ernähren und beschützen kann.

Durch die Anlage möglichst vernetzt liegender kleinerer Flächen soll den Bewohnern der Felder eine bessere Lebensraumnutzung möglich werden. Im ganzheitlichen Ansatz werden nicht einfach nur  die Füchse verdammt und die Fasanen gefüttert, sondern verteilt über die Fläche, möglichst viele Ecken geschaffen, die den Bedürfnissen der Pflanzen und Tiere des Offenlandes entgegen kommen.
So brauchen die Küken der Vögel dringend Insektennahrung am Anfang ihres Lebens. Insekten siedeln sich vor allem dort an, wo sie die blühende Kräuter finden und wo sie gut über den Winter kommen. Nach dem Wegfall der EU-Stilllegungsverpflichtung gibt es kaum noch brach liegende Felder.  Also muß da möglichst Ersatz geschaffen werden.

Die schwierigste Zeit für alle Tiere draußen ist der Winter. Vor allem wenn ein langer Winter, eventuell mit viel Schnee und langen Frostphasen, nichts mehr zu beißen bietet und nirgendwo mehr Deckung zu finden ist.
Also haben die Jäger, zusammen mit Landwirten um Hattersheim herum, angefangen verschiedene, sich anbietende Flächen zu Nutzen, um darauf passende Habitate zu schaffen. An manchen Stellen gibt es frisches Grün, das im heißen und trockenen Sommer die notwendige Feuchtigkeit bietet, wenn alle Felder staubtrocken sind und nur noch trockenes Getreide darauf steht.

Anderswo blühen vom Frühjahr bis in den Herbst immer einige Kräuter. Dort entwickeln sich dann auch Samen die als Futter dienen können. Die dicken Stängel bleiben im Winter stehen und das abgestorbene Gras kann sich daran anlehnen und bietet darunter einen Wind und Nässeschutz. Und auch einen Sichtschutz gegen Freßfeinde.
Zeitgleich werden Füchse, Marder, Krähen und Elstern bejagt.  Im Sommer mit Futterrüben die Durststrecke der Feldhasen überwinden geholfen und im Winter mit kleinen Futterstellen den verschiedenen Vögeln das Leben leichter gemacht.

Hier kommen in loser Folge diverse Berichte über die Fortschritte und die erwarteten Erfolge der Maßnahmen.

Anfang Mai – Einsaat der Flächen per Hand

Die Mischung Lebensraum I ist eine der besonders geeigneten Wildkräutermischungen für Bodenbrüter wie das Rebhuhn. Die vielen Unterschiedlichen Pflanzen haben dicke und schwere Samen wie die Sonnenblume und andere minikleine Feinsämereien die nur so groß wie ein Sandkorn sind.

Durch die Aussaat per Hand wie in den ganz alten Zeiten erreicht man eine leicht ungleiche Verteilung der leichten und schweren Samen. Dadurch kommt es später zu dichteren und lichteren Stellen. Die Wildtiere suchen sich schon ihren Weg durch den grünen Kräuterdschungel.

Wo Anfang Mai 2009 die Grasstreifen und Büsche schon grün waren, wurde auf die frisch umbrochenen Streifen Lebensraum I gesät. Nach wenigen Tagen konnte man die Keimlinge sehen und nach vier Wochen waren schon deutlich grüne Halme auf der Fläche zu sehen. Das etwas grobe Saatbeet hat nicht geschadet.

August in Hattersheim – Alles blüht

Im Hochsommer voller Sonne und heißen Temperaturen blühen viele Wildkräuter. Die Kulturpflanzen wie die Sonnenblume auch. Mensch und Tier fühlen sich wohl, suchen den Schatten und genießen die Zeit des Überflusses. Es grünt, ist morgens tau feucht und reichlich Insekten schwirren durch die Stengel und Blätter.

Biotopfläche entlang eines Gassi-Weges

Die große Fläche zeigt jetzt ihren Wert durch die unterschiedlichkeit der Mischungen und Streifen. Vorne blüht die Artenreiche Veitshöchheimer Bienenweide, in der Mitte, wächst eine autochthone Grasmischung die zum Teil mäandrierend mit dem Rasenmäher bearbeitet wurde. So entstadnen Altgrasbuschel und dazwischen frisches Grün zur Äsung.

Bienenweide vor Altgras

Durch unterschiedlichste Pflanzen bieten sich für die freilebenden Tiere verschiedene Möglichkeiten: Vögel können vorne in der Erde hudern, von den frischen Blättern zupfen oder sich hinter den hohen Stengeln verstecken. Nektarsuchende Insekten flattern von Blüte zu Blüte und während die einen noch blühen bilden die anderen schon Samen. So ist für jeden Gast etwas dabei.

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Ganz deutlich der Unterschied wo gemäht wurde und wo altes Gras verdörrt ist.

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Eine hohe Kulisse mit für Mensch und Hund unangenehmem Arten verhindert zu viele Spaziergänger auf der Fläche. Die bunte Vielfalt soll zum Anschauen da sein und nicht zum Pflücken.

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Die Deutsch-Drahthaar Jagdhunde Eva und Alfons haben alles im Blick. Schon kurz nach dem Auslaufen der Saat wurde der erste Junghase in der Fläche gesehen. Im August ist alles so dicht, dass man nichts mehr sieht.

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Landlust im Januar 2010 – Flinke Frettchen

Die Zeitschrift Landlust war mit flinken Frettchen unterwegs

Landlust1

Naturschutz und Jagd paßt gut zusammen

Hier geht es um den Austausch von Erfahrungen verschiedener Gruppen von Naturnutzern und Naturschützern mit der Gestaltung von Lebensräumen in der deutschen Kulturlandschaft. Insbesondere um die Schaffung von kleinen Biotopen für das sogenannte Niederwild, von denen eine große Zahl anderer Tiere profitiert.

Es werden hier Aktikel und Bilder erscheinen, die unterschiedliche Reviere zeigen und die gemachten Erfahrungen sammeln sollen. Damit andere dem Beispiel folgen und davon profitieren können. Die meisten haben mal wo etwas gehört und setzen dann ein bischen um, wovon Sie glauben das sei das Richtige.

Nach Möglichkeiten sollen hier verschiedene Ideen und Umsetzungen zusammen kommen, damit alle davon Profitieren. Von der Blattlaus über den Marienkäfer bis zum Rebhuhn.

Naturschutz durch Jäger läuft unter Wordpress 4.7.7
Anpassung und Design: Gabis Wordpress-Templates